spacer
    home > Netzwerk >Datenströme
spacer
Netzwerk Datenströme

 

Datenströme

Mit Layer- 4- Switching lassen sich regelbasierte Netze realisieren. Welche Möglichkeiten bieten diese Funktionen, und wie kann aus den neuen Techniken das richtige Netzdesign abgeleitet werden?

Durch die Notwendigkeit einer garantierten Bandbreite beispielsweise zur Übertragung von Videos und Sprache sowie durch die erhöhten Sicherheitsfunktionen haben sich Datennetze zu komplexen Systemen entwickelt. Die Intranets, Extranets, Internets und lokalen Workgroups erfordern die dynamische Anpassung der Verkehrsströme an die jeweiligen Anforderungen der Nutzer. Nach der Einführung von Layer- 3- Switches (Routing- Switches) werden jetzt die Switches um eine Funktion auf der Schicht 4 (Transportschicht) des OSI- Modells erweitert. Diese Produkte bezeichnet man als Layer- 4- Switches.

Wichtige Hintergründe

Zum Verständnis des Layer-4-Switching muß die Funktion des OSI-Layer 4 durchleuchtet werden. Der Transport-Layer ist für die Ende-zu-Ende-Kommunikation zwischen zwei Netzkomponenten verantwortlich. Auf dieser Schicht sind die Transportprotokolle angesiedelt. Zu den bekanntesten Schicht-4-Protokollen gehören das Transmission-Control-Protokoll (TCP) und das User-Datagram-Protokoll (UDP). Zur Aufteilung der seriellen Datenströme der unteren Schichten auf die spezifischen Anwendungen dienen die Sockets. Ein Socket ist ein virtueller Port, über den die Schicht 4 mit der jeweiligen Anwendung kommuniziert. Diese Portnummern werden somit in den TCP- und UDP-Headern zur eindeutigen Kennzeichnung der TCP/IP-Applikationen im IP-Paket benutzt. Zu den Applikationsprotokollen gehören typische IP-Dienste wie HTTP, SMTP, Telnet oder FTP. Anhand dieser Informationen leitet das Endsystem die Daten des IP-Pakets an die zugehörigen höheren Schichten weiter. Die Kombination von Portnummer und der zugehörigen IP-Adresse des Clients bildet einen Socket.

Well-known-Ports im Überblick

Dienst

Portnummer

Protokoll

FTP Data 20 TCP
FTP 21 TCP
Telnet 23 TCP
SMTP 25 TCP
DNS 53 UDP
BootP-Server 67 UDP
BootP-Client 68 UDP
TFTP 69 UDP
POP3 110 TCP
RPC (NFS) 111 UDP
exec 512 UDP
printer 515 TCP
uucp 540 UDP
rfile 750 TCP

Well-known-Ports

In der TCP/IP-Welt sind die Portnummern nach Gruppen kategorisiert. Die Portnummern 1 bis 255 werden als Well-known-Ports bezeichnet. In dieser Gruppe sind sämtliche Standardanwendungen der TCP/IP-Protokolle zusammengefaßt. Der IP-Dienst zur Übermittlung von E-Mails (SMTP) kommuniziert auf der Seite des Mailservers immer mit dem Well-known-Port 25. Der Filetransfer (FTP) benutzt zwei Well-known-Ports (Port 21 zur Steuerung des Transfers und Port 20 zur Übermittlung der Daten). Für spezielle Unix-Anwendungen sind die Portnummern von 256 bis 1024 reserviert. Die Ports oberhalb 1024 stehen für proprietäre Anwendungen bereit.

Während beim Layer-2- oder Layer-3-Switching entweder die MAC-Adresse oder die Source-Destination-IP-Adresse für das Forwarding benutzt wird, fällt ein Layer-4-Switch seine Forwarding-Entscheidungen zusätzlich mit Hilfe von Portnummern. Somit leitet er ein Datenpaket anhand folgender Kriterien weiter:

  • Destination-IP-Adresse (IP-Adresse des Empfängers)

  • Destination-Port (Zielport des Empfängers)

  • Source-IP-Adresse (IP-Adresse des Senders)

  • Source-Port (Zielport des Senders)

Ein Layer-4-Switch ist also in der Lage, bei Routing-Entscheidungen aufgrund der Applikation eine selbsttätige Priorisierung der Pakete vorzunehmen.

Layer-4-Switching in der Praxis

Mit Hilfe von Layer-4-Switches ist es möglich, für bestimmte Applikationen individuelle Forwarding-Entscheidungen zu definieren. Beispielsweise lassen sich kritischen Client/Server-Applikationen (SAP R/3, Datenbankzugriffe, Voice over IP) eigene Forwarding-Regeln zuweisen. Ein solches Paket wird von einem Port des Layer-4-Switches empfangen und anhand dieser Regeln zum Zielrechner übertragen. Durch die individuelle Festlegung von Service-Leveln lassen sich die ankommenden Datenströme trennen und mit Prioritäten versehen.

Das Abarbeiten von Routing-Filtern auf Basis von Layer-4-Informationen gehört zwar auch zu den Standardfunktionen von traditionellen Routern und Layer-3-Switches. Bei Layer-4-Switches werden die Filterfunktionen jedoch in Hardware-Chips (Asics) realisiert. Dies beschleunigt die Filtergeschwindigkeit erheblich, und das Packet-Filtering arbeitet annähernd mit der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit des Mediums (zum Beispiel Ethernet, Fast Ethernet, Gigabit Ethernet).

Ein Filter besteht aus einer oder mehreren Sequenzen, innerhalb derer zu prüfende Kriterien und auszuführende Handlungen spezifiziert werden. Wenn die Filterkriterien erfüllt sind, kann eine zuvor vom Nutzer festgelegte Aktion ausgeführt werden. Im gegenteiligen Fall (fehlende Übereinstimmung) kann eine alternative Handlung erfolgen. Dementsprechend wird der Datentransport zwischen einzelnen Kommunikationskomponenten erlaubt oder unterbunden.

Sicherheitsfunktionen

Aber auch das Eintreten spezieller Ereignisse registriert der Switch auf Wunsch. Daher übernehmen Layer-4-Switches auch bestimmte Sicherheitsfunktionen. Sie arbeiten zum Beispiel als Packet-Filter-Firewall oder kontrollieren den Datenverkehr nach Source- und Destination-Adressen und Portnummern.

Mit Hilfe der Layer-4-Switches läßt sich das Netz optimal auf die eingesetzten Applikationen abstimmen. Durch die individuelle Konfiguration der Layer-4-Switches definiert der Administrator im Netz die Anforderungen der Anwendungen. Anders als bei reinen Layer-2- und Layer-3-Systemen werden hier die angeschlossenen Endgeräte und die darauf eingesetzten Applikationen in die Transportentscheidung des Netzes einbezogen.

Zum effizienten Einsatz dieser neuen Switching-Methode müssen die Geräte über zusätzliche Filterfunktionen auf Basis von Asics verfügen. Reine Software-Lösungen arbeiten zu langsam und verursachen hohe Performance-Verluste. Voraussetzung ist also, daß ein Layer-4-Switch viele Filtereinträge identifizieren und speichern kann. Es muß darauf geachtet werden, daß die Anzahl der Filter den möglichen Applikationsprotokollen und Kommunikationsbeziehungen entspricht.

Policy-Server

Die Automatisierung des Netzbetriebs und die regelbasierte Steuerung der Datenflüsse im Netz machen es notwendig, eine Vielzahl von Parametern zu verwalten und miteinander zu verknüpfen. Für den regelbasierten Netzbetrieb muß der Administrator das Verhalten des Netzes beziehungsweise der einzelnen Layer-4-Switches festlegen. Hierzu ist ein zentraler Policy-Dienst notwendig. Die im Netz definierten Verhaltensmuster und Parameter werden in einer Datenbank zentral zusammengeführt und auf dem Policy-Server verwaltet. Die hier festgelegten Regeln werden auf die jeweiligen Layer-4-Switches übertragen. Auf diese Weise läßt sich der Datenverkehr von Endgerät zu Endgerät direkt im Netz dynamisch steuern.

Zum Austausch der Policy-Daten zwischen einem Policy-Client und einem Policy-Server veröffentlichte das IETF (Internet Engeneering Task Force) das Policy-Protokoll unter dem Namen Common Open Policy Service (Cops) als Internet-Draft. Das Cops-Protokoll ist die Basis für den Austausch von Policy-Informationen zwischen einem Policy-Server (Policy Decision Point, PDP) und den angeschlossenen Cops-Clients (Policy Enforcement Points, PEPs). In den Policy-Clients (Router, Layer-3-Switches) muß zur Verkehrs- und Bandbreitensteuerung das Reservation-Protokoll (RSVP) implementiert sein.

Die aktuellen Regeln (Parameter und Attribute) für den Datenverkehr beziehungsweise für die betreffende Session übermittelt der Policy-Server über eine TCP/IP-Verbindung an den Policy Enforcement Point (PEP) in der betreffenden Netzwerkkomponente. Hier werden die Parameter mit den Konfigurationen des Local Decision Points (LDP) verglichen und bei Bedarf Änderungen (beispielsweise bei den Filtern oder Prioritäten vorgenommen.

Client - Kennung

In jeder Cops-Message identifizieren sich die Clients anhand einer individuellen Client-Kennung. Der Kontext jedes Requests ist abhängig von der jeweiligen Situation, die den Policy-Event auslöst. Um eine kontinuierliche Kommunikation zwischen Cops-Client und Server zu garantieren, wird die Verbindung kontinuierlich mit Hilfe von Keep-alive-Messages überprüft. Bei Übertragungs- oder Sessionfehlern muß der PEP versuchen, von sich aus automatisch wieder die Verbindung zum PDP oder einer Backup-Komponente aufzubauen. Nach dem Wiederaufbau der Verbindung synchronisieren sich sämtliche Konfigurationen zwischen PEP und PDP erneut.

Fazit

Mit Hilfe des Layer-4-Switchings definiert der Administrator die Regeln des dynamischen Netzbetriebs. Erst durch die Integration und das Zusammenspiel von Filterfunktionen und einem zentralen Filtermanagement kann ein modernes, flexibel reagierendes Netzwerk aufgebaut und eine leistungsstarke Ende-zu-Ende-Lösung realisiert werden. Bis eine komplette und umfassende Lösung in Form von Produkten zur Verfügung steht, werden jedoch noch einige Monate vergehen. Daher ist es beim Kauf von Layer-4-Switches wichtig, auf die Upgrade-Fähigkeit der Produkte besonderen Augenmerk zu legen.

 

 

Copyright © 2004 -2006 by Stefan Reiser . Alle Rechte vorbehalten.

 
 
Schnellsuche
Suchen
       
   
 
 
sonstiges
  aktuelle Netzwerk-News
  Netzwerktools
  TCP/IP Referenzmodell
  Trojaner-Portliste
  FDDI
  Provider
 
Bücher-Flash
 

 

Google
Web www.multi-online.com