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Firewall
Wer sich ans Internet anschließt, muß selbst
für die Sicherheit seines Computers und der darauf gespeicherten
Daten sorgen. Gegen die vielfältigen Risiken kann man
sich auf verschiedene Arten schützen:
- Schaffung eines Zugangs über physikalisch vom internen
Netz (dem Verwaltungs- oder Produktionsnetz mit den zu
schützenden Daten und Ressourcen) abgetrennte Rechner,
z. B. Einzelplatzcomputer, oder
- Aufbau einer Firewall als Filter zwischen dem internen
Netz und dem Internet.
In diesem Text wird die zweite Variante
erörtert, die
für den einzelnen Mitarbeiter, der das Internet nutzen
möchte, komfortabler ist, aber zur Gewährleistung
einer angemessenen Sicherheit des internen Netzes ein hohes
Maß an Know-how und Aufwand bei der Planung, bei der
Implementierung und beim Betrieb erfordert.
Eine Firewall (deutsch: Brandschutzmauer) ist ein
System aus Hard- und Software, das an einem Punkt zwischen
zwei Netzen installiert ist und nur zugelassene Kommunikation
hindurch läßt. Unzulässige Aktionen werden
abgewiesen, erkannte Mißbrauchsversuche lassen sich
protokollieren. Damit eignen sich Firewall-Systeme dazu,
die vorher definierten Anforderungen bezüglich der Sicherheit (Security Policy) weitgehend technisch zu erzwingen.
Häufig werden Firewalls zur Absicherung beim Anschluß ans
Internet eingesetzt, vor dessen Gefahren das interne Netz
geschützt werden soll.
1. Firewall-Technologien
Eine Firewall kann auf verschiedenen Technologien beruhen:
Paketfilter sind IT-Systeme mit
besonderer Software, die die Informationen (IP-Pakete)
auf der Transportebene filtern, d.h. nach vorgegebenen
Regeln entweder weiterleiten oder abfangen. Die Regeln
können anhand der Quell- oder
Zieladresse sowie des Quell- oder Zielports, der typisch
für den jeweiligen Internet-Dienst ist, arbeiten. Viele
Router lassen sich auch als Paketfilter nutzen. Im Gegensatz
zu den statischen Paketfiltern haben dynamische Paketfilter
keinen festen Regelsatz, sondern die Firewall kann ihn als
Reaktion auf bestimmte Ereignisse modifizieren.
Ein Application Level Gateway ist ein speziell konfigurierbarer
Rechner, der die Informationen auf der Anwendungsebene filtert
und gemäß vorgegebener Regeln Verbindungen erlauben
oder verbieten kann. Für jeden Dienst (Telnet, FTP usw.),
der erlaubt werden soll, führt man Security Proxys ein.
Diese Proxys steuern den Zugriff auf diese Dienste und knüpfen
ggf. weitere Bedingungen an ihre Nutzung. So bestehen beispielsweise
die Möglichkeiten einer ausführlichen Protokollierung
und einer benutzerbezogenen Authentisierung für die
unterschiedlichen Dienste.
Die verschiedenen Technologien lassen sich auch kombinieren,
um die jeweiligen Vorteile ausnutzen zu können.
2. Firewall-Anordnungen
Bei rein zentralen Firewall-Lösungen bildet die Firewall
die einzige Schnittstelle zwischen dem zu schützenden
Netz und dem Internet. Im internen Netz besteht ein einheitliches
Sicherheitsniveau, Differenzierungen sind nicht möglich.
Die Verbindungen innerhalb dieses Netzes werden nicht durch
die Firewall kontrolliert.
Sobald Teilnetze mit höheren Sicherheitsanforderungen
identifiziert werden können, müssen diese mit eigenen
Firewall-Systemen abgeschottet werden. Daraus ergibt sich
eine gestaffelte Firewall-Lösung (kaskadierte Anordnung)
als Kombination zentraler und dezentraler Komponenten. Ebenso
werden Server, die auch Dienste für Nutzer aus dem äußeren
Netz zur Verfügung stellen wie WWW-Angebote oder E-Mail,
häufig hinter einer Firewall in der sogenannten entmilitarisierten
Zone (DMZ, Demilitarized Zone) eingerichtet, von der
das interne Netz durch eine weitere Firewall abgeschottet
ist. Dies hat den Vorteil, daß das lokale Netz auch
dann noch geschützt ist, wenn ein Angreifer bis zum
WWW-Server o.ä. gelangt.
3. Zusätzliche Funktionen von Firewalls
Für bestimmte Dienste ist eine Authentisierung möglich,
die z. B. mit Paßwörtern (auch zeitabhängigen
oder Einmalpaßwörtern) oder Challenge-Response-Verfahren
realisiert werden kann.
Möchte man eine Verschlüsselung an
der Firewall nutzen, sollte man auf die gesetzlichen Rahmenbedingungen
achten, denen der Hersteller und der Lieferant unterliegen.
So werden beispielsweise Produkte aus den USA nur mit reduzierter
Schlüssellänge oder mit Key Recovery (die verwendeten
geheimen Schlüssel lassen sich bei Bedarf wiederherstellen)
ausgeliefert.
Programme
für eine Inhaltskontrolle (Content Filtering) untersuchen
die Daten auf bösartige Funktionen, z. B. Viren, oder
filtern mißliebige Inhalte (z. B. WWW-Seiten) aufgrund
von vorgegebenen Adressen, Wörtern oder Einstufungen
(Ratings).
Setzt man im internen Netz reservierte
IP-Adressen ein, die im Internet ungültig sind, können
diese durch Network
Address Translation (NAT) in offizielle Adressen des
Internet umgewandelt werden und umgekehrt, so daß sich
die interne Netzstruktur gegenüber dem Internet verbergen
läßt.
1. Schritte zum Aufbau einer Firewall
Vor der eigentlichen Realisierung muß unbedingt
ein Konzept erstellt werden, aus dem die Anforderungen
an das System und die Rahmenbedingungen hervorgehen. Zunächst
sollte man informell den geplanten Zugang ("was ist erlaubt", "was
ist verboten") und mögliche Sicherheitsmaßnahmen
beschreiben. Daraus resultiert zum einen die Kommunikationsanalyse, aus der der Bedarf für eine Internet-Nutzung - differenziert
nach Diensten, Rechnern und Nutzern - hervorgeht; zum anderen
ergibt sich daraus die Security Policy (Sicherheitspolitik,
Sicherheitsrichtlinien) für die Firewall, die in das
Sicherheitskonzept der gesamten Organisation passen muß.
Es bietet sich an, die Ergebnisse in einer Zugriffsmatrix darzustellen,
die einen Überblick darüber gibt, welche Datenflüsse
zulässig sein sollen. Aus dieser Zugriffsmatrix läßt
sich der Regelsatz für die Firewall ableiten.
Die Standardregel bei der Konfiguration von Firewalls
sollte immer lauten: "Alles, was nicht ausdrücklich
erlaubt ist, ist verboten." Mit diesem restriktiven
Ansatz setzt man sich weniger Sicherheitsrisiken aus.
Es ist wichtig, während des Aufbaus der Firewall
beginnend bei der Konzeption eine intensive Diskussion
mit allen Beteiligten (Entscheidungsträger, Systemadministration,
Betriebs- bzw. Personalrat, Revision, Datenschutzbeauftragter,
aber auch den Nutzern selbst) zu führen, damit Ergebnisse
und Ziele von allen Seiten verstanden und vertreten werden.
Außerdem sind aus Gründen der Revisionssicherheit
alle Phasen des Installationsprozesses umfassend zu dokumentieren.
Bei der Auswahl der Firewall sollte man darauf achten,
daß sie bedienfreundlich ist, damit keine Fehlkonfigurationen
zu Sicherheitslücken führen. Auch sollte das
System transparent und einfach aufgebaut sein. Es gibt
Firewalls, die zertifiziert wurden, z. B. nach den IT-Sicherheitskriterien
oder nach den weniger detaillierten und aussagekräftigen
Firewall-Kriterien der National Computer Security Association
(NCSA), einem US-amerikanischen Verein von Anwendern sowie
Hard- und Softwareherstellern. Solche Sicherheitszertifikate
können Anhaltspunkte für die Einstufung der Sicherheit
geben. Daneben sollte man Tests von Firewall-Systemen,
wie sie beispielsweise in einigen Computerzeitschriften
veröffentlicht werden, in bezug auf eigene Anforderungen
auswerten.
Folgende Grundsätze sollten beim Einsatz einer Firewall
eingehalten werden:
-
Jede Kommunikation zwischen dem
internen Netz und dem Internet muß über
die Firewall als einzige
Schnittstelle ablaufen.
-
Die Firewall darf nicht für
weitere Aufgaben genutzt
werden. Es dürfen nur die erforderlichen Dienste
verfügbar sein.
-
Die Administration der Firewall
muß über
einen gesicherten Zugang erfolgen.
-
Die Firewall baut auf einer definierten Security
Policy auf und setzt die dort festgelegten Maßnahmen
um. Dafür werden die zugelassenen Verbindungen
nach IP-Adresse, Dienst, Zeit, Richtung und Benutzer
getrennt festgeschrieben.
-
Für Konzeption, Aufbau und
Betrieb einer Firewall muß geeignetes und geschultes Personal (Firewall-Administrator
und Vertretung) zur Verfügung stehen. Zur Firewall-Administration
müssen genügend Ressourcen (Zeit und
Geld) eingeplant werden.
-
Die Benutzer des internen Netzes sollten durch den
Einsatz der Firewall möglichst wenig bei
der Nutzung des Internet eingeschränkt werden.
2. Überprüfen der Sicherheit
Nicht nur die korrekte Installation,
sondern auch der Betrieb einer Firewall kann arbeitsintensiv
sein, da zu gewährleisten ist, daß Angriffe verhindert und
Angriffsversuche erkannt werden. Eine Firewall kann keine
100%ige Sicherheit garantieren. Mit der Zeit nimmt in der
Regel die Sicherheit ab, z. B. durch Entdeckung von Fehlern,
Herausbildung neuer Angriffsformen oder auch Verbesserung
der Systemausstattung von Angreifern. Daher sollten die
Systemadministratoren ständig die Diskussion um Sicherheitslücken
verfolgen und die Systeme aktualisieren.
Auch sollte regelmäßig geprüft werden,
ob neue Zugänge zum Internet unter Umgehung der Firewall
geschaffen und ob die Filterregeln korrekt umgesetzt werden.
Daneben müssen die Integrität der eingesetzten
Software und das Verhalten der Firewall im Fehlerfall oder
bei Systemabsturz getestet werden.
Automatisierte Prüfwerkzeuge helfen beim Test der
Sicherheit einer Firewall. Zum Beispiel können Penetrationstests
durchgeführt werden, die darauf abzielen, die Firewall
entgegen der vorgegebenen Security Policy zu überwinden
oder sie selbst zu kompromittieren. So können Portscanner
alle Ports im System ausprobieren und auf Sicherheitslücken
abklopfen.
3. Wieviel Sicherheit ist möglich?
Generell läßt sich keine 100%ige Sicherheit
für die IT-Systeme erreichen, wenn sie ans Internet
angeschlossen werden.
| "It
is easy to run a secure computer system.
You merely have to disconnect all dial-up
connections and permit only direct-wired
terminals, put the machine and its terminals
in a shielded room, and post a guard at the
door." F.T.
Grampp und R.H. Morris, zitiert
in Cheswick/Bellovin: "Firewalls and Internet
Security", 1994 |
Mit einer Firewall als ein Baustein im Bereich der Sicherheitsmaßnahmen
läßt sich jedoch bei entsprechender Konfiguration und Pflege ein recht
hoher Grad an Sicherheit erreichen.
Am gefährlichsten ist allerdings
der nicht genügend durchdachte Aufbau einer Firewall, da dann allein durch
die Existenz dieses Systems ein nur trügerisches Gefühl der Sicherheit
entsteht.
Die Stärke der Firewall hängt
von vielen Faktoren ab, z. B. von der Konzeption und
Umsetzung der Security Policy, von der technischen Realisierung
und von der Wartung und Pflege des Systems.
Firewalls können nicht gegen Angriffe schützen, die nicht durch
die Firewall gehen. Solche Umgehungsmöglichkeiten können z. B. weitergegebene
Datenträger oder zusätzliche Netzzugänge neben der Firewall
sein. Außerdem können sie nicht dagegen schützen, daß sensible
Informationen von Mitarbeitern (unbedacht) herausgegeben werden, beispielsweise
per Telefon oder Fax. Darüber hinaus können maliziöse Programme
wie Computerviren über E-Mail-Attachments oder beim Surfen im WWW über
Active-X-Komponenten o.ä. eingeschleust werden. Eine automatische Erkennung
dieser bösartigen Software ist an dem zentralen Netzübergang nicht
völlig zuverlässig möglich, sondern es sind in jedem Fall an
den einzelnen Arbeitsplätzen Sicherheitsmaßnahmen wie z. B. der
Einsatz von Virenschutzprogrammen zu treffen.
Experten empfehlen als derzeit sicherstes Konzept die Firewall-Anordnung "Screened
Subnet" (Sandwich-System) bestehend aus einem Application Level Gateway
und je einem vor- und nachgeschalteten Paketfilter, wobei die einzelnen Komponenten
auf unabhängiger Hardware installiert und nach Möglichkeit von
verschiedenen Herstellern sein sollten. Setzt man hierbei dynamische statt
statische Paketfilter ein, gewinnt man Flexibilität in bezug auf die
Anzahl der Dienste, die abgesichert angeboten werden können.
(Zur Sicherheit der verschiedenen Firewall-Technologien:
Statische Paketfilter
sind nur geeignet für Dienste, die feste Portnummern verwenden und verbindungsorientiert
arbeiten, so daß sich der Initiator der Verbindung ermitteln läßt
(ACK-Bit nicht gesetzt), d.h. für TCP-Pakete. Bei der verbindungslosen Kommunikation
mit UDP-Paketen ist jedes Paket logisch als Verbindungsaufbau zu sehen. Darüber
hinaus sind UDP-Dienste häufig nicht an feste Portnummern gebunden. Daher
reicht die Sicherheit eines Paketfilter nur für solche UDP-Dienste aus,
bei denen (bei entsprechender Konfiguration) kein Schaden angerichtet wird. So
kann ein Paketfilter aus Sicherheitssicht genüügen, wenn man sich beispielsweise
auf Telnet, SMTP und DNS beschränkt. Doch gerade die meist gewünschte
Web-Nutzung mit HTTP läßt sich allein mit einem Paketfilter nicht ausreichend sichern. Auch sind mit Paketfiltern keine benutzerbezogene Dienstfreischaltungen
möglich. Mit dynamischen Paketfiltern können auch Dienste verwaltet
werden, die nicht feste Ports nutzen oder nicht verbindungsorientiert sind (UDP).
Ein Application Level Gateway sollte nicht als alleinige Technologie eingesetzt
werden, da sie ohne zusätzlichen Schutz sowohl von außen als auch
von innen direkt angreifbar ist. Darüber hinaus kann in der Regel nicht
unterschieden werden, über welche Netzschnittstelle einzelne Pakete angekommen
sind, so daß kein Schutz gegen IP-Spoofing besteht.)
Um das interne Netz abzusichern, kann es erforderlich sein,
eine Firewall zu installieren. Eine solche Sicherungspflicht kann
sich beispielsweise aus § 9 BDSG oder den Landesdatenschutzgesetzen
ergeben, wenn personenbezogene Daten zu schützen sind.
Eine Protokollierung an der Firewall
ist zulässig,
sofern die Daten einer Abrechnung der Telekommunikation dienen
oder wenn es sich auf einen Angriff auf das System handelt.
Eine Verwendung der Protokolldaten für andere Zwecke
ist nicht erlaubt.
Inhaltskontrollen können einen Eingriff in das
Fernmeldegeheimnis darstellen. Werden Mechanismen zum Content
Filtering eingesetzt, beispielsweise um sicherheitskritische
Inhalte wie Viren aus E-Mail-Nachrichten auszusondern, sollte
möglichst automatisiert kontrolliert werden, um den
Eingriff gering zu halten.
Firewalls sind immer mitbestimmungspflichtig.
In einer Betriebs- oder Dienstvereinbarung sollten die
Einzelheiten zu den Kontrollmaßnahmen wie Filtern oder Protokollierung
festgeschrieben werden. Am besten werden außer dem
Betriebs- bzw. Personalrat auch der interne Datenschutzbeauftragte
und die Revision von Anfang an beim Einrichten einer Firewall
einbezogen.
Eine
Desktop Firewall benutzen heisst nicht automatisch Schutz.
Eine Firewall kann nichts ausrichten, solange der Benutzer
keine Ahnung von den zu erstellenden Regeln hat.
Zwar gibt es bei einigen Programmen die Option der automatischen Regelerstellung,
welche aber in den meisten Fällen zu grosszügig oder fehlerhaft erfolgt.

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